Die Macht des Distanzierens

Geht nicht, gibt’s nicht!

Meine Gedanken nach dem letzten Beitrag „Aus“ (oh je, sooo lange her?) habe ich inzwischen von allen möglichen Seiten beleuchtet, reiste gedanklich ziemlich weit zurück in die Vergangenheit und bin zurückgekehrt in die Gegenwart.
Fazit: Wer überleben will, muss sich ab sofort und am besten dauerhaft distanzieren.

Distanzieren wovon?

Hier ein paar Stichworte: Werbung, Ratgeber-Schwemme, Politiker-„Aussagen“, Experten … des Weiteren Wetterberichte und Wetter- sowie allerlei sonstige -Apps … kurz:

Weg von der Informations- und Reizflut.

Beispiel: Wetter-App. So sehr ich es schätze, einem heftigen Regenschauer zu entgehen, indem ich den „Regen-Radar“ der wetter-online-App befrage, ob und wann und wo das Nass von oben zu erwarten ist, so sehr beobachte ich skeptisch, was ansonsten so kundgetan wird:
Un-Wetter“warnungen“
Pollenkalender
Luftqualitätsangaben
Katastrophenbilder u. -meldungen
Artikel und Videos zum Klimawandel(Szenario) … u. v. a. m.
Das fällt mir jetzt spontan ein, ich könnte noch nachschauen, ob es mehr gibt.
Meiner Ansicht nach sind das alles zu vernachlässigende Informationen. Dass ein Un-Wetter naht, sehen und spüren wir oft rechtzeitig. Wenn der Wind plötzlich böig und deutlich heftig weht, der Himmel sich verdunkelt und am Horizont schon Regenschauerschwaden erkennbar werden, wird mancher Gärtner Vorkehrungen treffen. Ebenso wie Biergarten-Wirte und viele andere. Aber da hat man ja intuitiv nach oben geschaut und deutlich wahrgenommen.
Nun meldet aber die Wetter-App schon mindestens einen Tag zuvor (wenn nicht mehrere), dass der Wind heftiger wehen wird. Windgeschwindigkeiten und rote Wetter“tüten“, die noch mehr Wind androhen, werden angezeigt. „Tornadogefahr“ … ei ei ei … – Und was passiert in unserem Innern?
Richtig: Wir sind alarmiert. –
Halt. Nein. Ich nicht.
Weiter geht es mit dem Pollenkalender. Ich erinnere mich an ein Experiment, das in einer Hautarztpraxis durchgeführt wurde. Da hing so ein Kalender, den die im Wartezimmer sitzenden Patienten anschauen konnten. Das Ergebnis: Selbst Menschen ohne eine Pollenallergie zeigten nach einer Weile des Betrachtens Symptome einer solchen. –
Noch Fragen?
Luftqualitätsangaben, gelegentliche Bilder von Katastrophen aus Unbekanntistan plus diverse Statistiken, Hochrechnungen und Modellszenarien hinsichtlich des sich wandelnden Klimas tun ein Übriges. Das Ergebnis: Solcherlei Informationen, insbesondere die bildhaften, „steuern“ unser Denken und damit unser Wohlbefinden, und zwar in nicht unerheblichem Maße. –
Meins allerdings nicht.
Werbung ist auch so eine Sache … Wer hat sich nicht schon mal genussvoll den Bauch vollgeschlagen mit lauter leckeren, aber leider auch zu fetten oder zu süßen Speisen und anschließend Magendrücken und Sodbrennen gehabt? Mal kann das passieren, und wir wissen dann in aller Regel, dass wir selbst schuld sind an unserem Unbehagen. Säurebinder sind das „Zaubermittel“, das recht schnell Abhilfe schaffen kann.
Doch Vorsicht: Hier lauert für manche auch eine gewisse Abhängigkeit. Immerhin gibt es Leute, die ganz gerne öfter über die Stränge schlagen … für die ist m. E. die Werbung gedacht. Immer wenn ich so einen Werbespot mal gesehen habe, dachte ich: Fresst euch die Augen zu und fürchtet euch nicht, denn Firma XY kommt und bringt den Segen mit einem Säurebinder … – lange her, dass ich mir so einen Werbespot angeschaut habe, weil ich mich von TV und Co. längst distanziert habe. Andere, sehr viele andere aber nicht.
Was für Rennie und anderes Zeugs gilt, trifft auch auf Damenbinden für Inkontinenz, huch! sorry, gibt’s auch schon „for men“, Treppenlifte, lästiges nächtliches Pippimachenmüssen, Nichtschlafenkönnen und einiges andere mehr. Alle Produkte nicht verschreibungspflichtig und für jedermann fast überall käuflich zu erwerben. Es ist so einfach, die Menschen abhängig zu machen und zu halten. Zum Beispiel, indem niemand über die wirklichen Ursachen der „Problemchen“ aufklärt, sie stattdessen mit dem Älterwerden begründet und darüber hinaus Betroffene nicht dazu anregt, selbst die Lösung anzugehen – ohne Mittelchen der Pharmazie- und Kräuterküche.

Man muss sich distanzieren. Abstand halten von Informationen, die kaum ein Mensch braucht und die sehr dazu beitragen, unser natürliches Furchtempfinden in eine irrationale Angst überzuleiten.
Hirnwäsche habe ich hier absichtlich nicht geschrieben, aber gemeint 😉

Selbstversuch

Sie begann schleichend, meine Distanzierung. Es begann mit Langeweile und der Feststellung, dass ich den Großteil aller Informationen zwar in meinem Kopf herumeiern hatte, aber gar nicht brauchte. Spätestens beim Burnout wird deutlich, was das Zuviel im Kopf anrichten kann. So lange musste ich nicht warten.
Ich bemerkte, dass meine Fähigkeit zu Ruhe und Entspannung beeinträchtigt wurde durch die sehr häufige Berieselung mit äußeren Faktoren, die ich teilweise gar nicht ausschalten konnte (z. B. beim Einkaufen): Radio, Handy, TV, Straßenverkehr, Kinderlärm (warum die Pänz heute alle so herumschreien, und zwar von Geburt an, ist mir ein Rätsel), Geschwätz – und hier meine ich insbesondere Politiker, TV- und Radiomoderatoren, aber auch Leute auf der Straße, in irgendwelchen Cafés/Restaurants, beim Einkauf; man glaubt ja nicht, was für einen Unsinn alle häufig (!) von sich geben. Jedenfalls zog ich die Reißleine und reduzierte äußere Einflüsse auf ein Minimum.
Das Ergebnis: Mittlerweile bin ich seit vielen Wochen so herrlich entspannt wie lange nicht. Kein Interesse an Krisen sonstwo, an Horrorszenarien, an Ereignissen, die rein hypothetisch sind, nur gedacht, fantasiert und als Schreckensbild an eine imaginäre Wand gepinnt. Vor allem aber als Informationsschnipsel in die Hirne der Menschen geheftet.

Klein-Wilmanum

Ich schrieb schon einen Beitrag darüber, und in den vergangenen drei, vier Wochen las ich in manchem Artikel oder Kommentar von einem „gallischen Dorf“. Da wird dann allerdings geschrieben/gesagt, dass man „sich natürlich in ein solches zurückziehen“ = sich von allem Fernhalten könne, dass das aber nichts verändern würde an allem, was da draußen geschieht und unsere Freiheit bedroht. Das „gallische Dorf“ wird sozusagen als Vorwurf missbraucht.
Mag sein, dass das draußen nichts bewegt – aber weiß man’s? Ich jedoch liebe mein Klein-Wilmanum. Weil es meinen Seelenfrieden sichert, weil ich mich entspannen und angstfrei sein kann. Es fehlt mir an nichts, und ich habe auch noch nicht erfahren müssen, irgendetwas nicht zu bekommen, weil das gewünschte Ding irgendwo in der Ukraine bzw. auf dem Weg von da oder anderswo nach *** festhängt. Klein-Wilmanum funktioniert einwandfrei, reibungslos und ist in Ordnung. Hier herrscht Frieden, allein das zählt. Die daraus resultierende Zufriedenheit schafft tiefe Dankbarkeit. Und diese wiederum ist eine Wohltat für Herz, Seele und die Gesundheit.

Blick in die Glaskugel

Sowas mache ich nicht. Glaskugel habe ich keine. Will ich auch nicht. Denn die gedankliche, gar bildliche Vorwegnahme schrecklicher Ereignisse zieht meiner Meinung nach nicht nur die entsprechenden Energien nach sich, es belastet vor allen Dingen immens das Wohlbefinden und damit gefährdet es die Gesundheit in erheblichem Maße. Alles nicht gut.
Vielleicht ist es zu spät, um … wegzulaufen, wenn plötzlich eine Bombe einschlägt.
Vielleicht ist es zu spät, zu flüchten, falls es einen Atomkrieg gibt … ähm, wohin sollte man auch flüchten, da das Zeug überall wäre?
Es nützt nichts, Gefahren vorwegzunehmen und zu versuchen, irgendwelche Sicherheiten zu schaffen. Das geht nicht. Sicherheit gibt es nicht. Wer das noch immer nicht begriffen hat, dem ist nicht zu helfen. Geld hilft übrigens auch nicht, denn eine atomare Verseuchung z. B. lässt sich auch damit nicht rückgängig machen und ihre schrecklichen Folgen verhindern.
Ich liebe den Wald. Gäbe es Säbelzahntiger ginge ich dennoch hinein. Ja, es bestünde die Möglichkeit, ihm leider über den Weg zu laufen – aber es wäre ebenso gut möglich, er liegt ganz woanders und schlummert, bemerkt mich nicht.
Das Leben ist ein großes Risiko vom ersten bis zum allerletzten Atemzug. Das IST so.

Fern von Gut und Böse

Abseits! Was im Fußball oft leider Pech ist für die Mannschaft, deren Tor deswegen nicht gezählt wird, ist im menschlichen Alltag, sofern man dieses „Abseits“ bewusst sucht und schafft, ein Segen. Denn die Fragen sind doch:
Was brauchen wir wirklich?
Wie viel von den Informationen, die uns tagtäglich um die Ohren gehauen werden, sind für uns von Nutzen?
Was tun mit dem Überfluss, der ja nicht irgendwo in einer Klappe im Hinterstübchen verschwindet, sondern als Datenmüll auf unserer Gehirnautobahn mitläuft?
Mich in einem solchen Abseits zu befinden, ist Erholung und Regeneration pur.
Zwar fern von Gut und Böse, aber keineswegs völlig uninformiert lebe ich im Frieden mit mir und meinen Lieben sowie den wenigen Menschen, die ich sonst noch kenne. Information hole ich mir durchaus, und zwar wenn ich bereit bin, sie aufzunehmen und adäquat zu verarbeiten. Und das ist ein ganz bewusster Vorgang, bei dem ich Uninteressantes, Unwichtiges sofort beiseite schiebe (zur sofortigen Vernichtung = Vergessen). So bewusst wie ich mich auf die Information eingelassen habe, beendet ich die Aufnahme derselben, schließe das Thema konsequent ab, wenn ich mich von der Informationsquelle abwende.

Möglich, dass das alles etwas zu einfach erscheint, aber es funktioniert. Obendrein ist es ein gutes Gefühl, die Macht des Distanzierens zu haben und auszuüben. Da kehrt die Selbstermächtigung zurück in unser Dasein. Das Gefühl von Abhängigkeit oder gar Ohnmacht verkrümelt sich allmählich und macht Platz für eine neue Stärke.
Ich kann nur sagen: Probiert es aus! Es lohnt sich!
Der Schlüssel: Bewusst-sein!

Foto von Jose Antonio Alba auf http://www.pixabay.com

2 Kommentare zu „Die Macht des Distanzierens

  1. Vielleicht sind gerade wir es, die „da Draußen“ wirklich etwas bewegen?! Indem wir weder irgendein Zeug konsumieren, das weder wir – noch vermutlich irgendjemand anderes – für das eigene Leben WIRKLICH braucht. Noch bereit sind, das Spiel derer mitzuspielen, deren Geschäftsmodell das Verbreiten von Angst ist. Man bewegt nichts zum Besseren, wenn man bei diesem Spiel einfach nur mehr oder weniger willig mitspielt. Hier „Spielverderber“ zu sein, kann jedoch Einiges bewegen. Denn ein Spiel, dem die Mitspieler davonlaufen, wird über kurz oder lang beendet werden müssen … .

    Gefällt mir

    1. Jaaa, genau so ist es. Und es bereitet mir ein geradezu diebisches Vergnügen, die „Spielverderberin“ zu sein.
      Auch hilft die Vorstellung, dass die guten Energien, mit denen ich mich befasse und umgebe, Gleiches anziehen bzw. sich verbreiten. Da ich auch das schon häufig live bestätigt gefunden habe – im Familien- und Bekanntenkreis –, bin ich davon überzeugt, dass das in einem größeren Rahmen ebenso funktioniert.

      Gefällt 1 Person

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