Ganze Arbeit

Und wohin gehen wir noch?

Da keimte Hoffnung, als ich las, dass nach dem 20. März die Beschränkungen fallen. Wie schon anderswo hörte ich das Wort „Freedom Day“. Leise, aber sehr verhaltene Freude ließ mein Herz ein klein wenig schneller schlagen. Sollte es tatsächlich möglich sein, dass …

… wieder Musik machen

Proben ohne Beschränkung? Konzerte vor ausverkauftem Haus? Endlich wieder Gesichter mit Lächeln, mit Mimik, die Gesagtes unterstreicht, Stimmung vermittelt … und ohne Tütenvermummung? Menschengruppen ohne Abstandsregel? Ende des Testdiktats?
Die Aussicht ließ mich Vorfreude entwickeln. Wenn ich nach dem 20. März wieder mitproben dürfte …, überlegte ich und schaute rasch in den Kalender, dann könnte ich mich bei 8 Proben bis zum nächsten Konzert gut vorbereitet auf die Bühne begeben. Ei, das wird fein! Und bei den Proben dann auch keine Maske mehr brauchen fürs Treppenhaus und bis zum Sitzplatz, wieder entspannt zusammen sein, unverkrampft, so wie früher … ja, da wehte frischer Wind unter meinen Flügeln. Sogleich intensivierte ich das häusliche Üben mit wieder erwachender Motivation.
So weit, so gut.

Hoffnungsschimmer und Schatten

In einer Unterhaltung mit einer Kollegin aus dem Orchester ging es wie immer interessant und heiter zu. Gegen Ende jedoch kamen wir darauf zu sprechen, wie es wohl weitergeht, wenn die Maßnahmen fallen.
Als ich das Hygienekonzept las, war ich baff. Alle sind ge-„impft“ und „geboostert“ (Seil), alle testen sich trotzdem vor jeder Probe (doppelter Boden), die Luft wird gereinigt, Maske wird getragen (zumindest von einigen = mehrfacher Sicherheitsgurt), und trotzdem darf ich nicht mitproben? Kann mir das mal einer erklären? Von mir geht doch überhaupt keine Gefahr aus, denn ich bin definitiv gesund und käme ja frisch „getestet“ – falls ich kommen dürfte! Im Gegenteil müsste ich mich doch sorgen (wenn ich es für nötig hielte), denn ihr Ge“impftgeboosterten“ seid doch in eurer Entspannung eher eine Gefährdung für mich, so sprach ich laut meine Gedanken aus. Nach dem letzten Satz hab ich freilich gelacht, denn bei solcherart Sicherheits- und Schutzbedürfnis kann von Entspannung aufseiten der anderen ja keine Rede sein.
Ich erfuhr aus der Reaktion meiner Gesprächspartnerin, dass ich ja mit allerlei Viren behaftet sei, mehr als alle anderen. Meine Virenlast sei höher. Meine Augenbrauen zuckten im Turbotempo Richtung Haaransatz. Wiebitte???
Ich erfuhr weiterhin, dass ich schlicht keine Zutrittserlaubnis zu unserem Probenraum habe. Das lege die Infektionsschutzverordung fest. „Was für ein Schwachsinn!“, entfuhr es mir. „Und nach dem 20. März bin ich weniger virenlastig? Dann ist alle Gefahr gebannt, nur weil die Regeln das so vorsehen?“
Nach diesem besagten 20. könne z. B. jeder Wirt festlegen, wen er unter welchen Voraussetzungen in sein Etablissement lässt, wurde ich aufgeklärt. Es gelte das Hausrecht.
So so!
Vermutlich läuft es darauf hinaus, dass ich dann wohl mitproben darf – falls die demokratische Entscheidung nicht dahingehend ausfällt, dass einige Spieler bei Anwesenheit von Un-„geimpften“ nicht mitspielen wollen/werden –, wenn ich getestet erscheine, während alle anderen von allen Maßnahmen befreit ihre Viren munter unter die Leute bringen dürfen. Was ist das für ein seltsames Theater, frage ich mich und äußerte das auch im Gespräch.
Es ginge doch um unsere Sicherheit, so die Reaktion.
„Verstehe ich nicht“, widersprach ich. „Maßnahmen weg, bedeutet Maßnahmen weg, und zwar für alle.“
Und Teilnahme an Konzerten? Mitmachen bei einem Workshop? Tja, das wäre noch unklar, denn wie schon gesagt, könnte unter Hinweis auf das Hausrecht jeder Veranstalter bzw. jede Institution eigene Regeln schaffen.
Mhm, also wenn die so aussehen, wie teilweise schon aus anderen Bereichen des öffentlichen Lebens verlautet, schaut es finster aus für jemanden wie mich.

Ganze Arbeit …

haben sie geleistet, die Damen und Herren Politiker, mediengeile Wissenschaftler, auf Linie gehaltenen Ärzte und Virologen, alle sogenannten „Experten“.
Die Spaltung ist perfekt.
Perfide zwar, aber geradezu genial.
Und zum Kotzen!!!
Die Welt muss vor den „Experten“ geschützt werden.

Jetzt brauche ich erstmal ein fettes Stück Apfelkuchen mit reichlich Sahne.
Energie tanken und mir das Leben schnell wieder versüßen!

Diesen Beitrag verfasste ich als Entwurf, dachte aber, es könne sich noch etwas zum Positiven hin wenden. Das ist das mit der Hoffnung, ihr wisst schon. Aber Stand heute hat sich das alles genauso bewahrheitet. Und nun veröffentliche ich das hier und eine Fortsetzung folgt sogleich … ich explodiere sonst, wenn ich mir nicht Luft verschaffe!

Bild by Wilma herself ☺️

4 Kommentare zu „Ganze Arbeit

  1. ohne Worte – du hast alles gesagt. Ich weiß, man sagt die Hoffnung stirbt zuletzt und irgendwie sollten wir sie auch nicht verlieren, aber irgendwie klingt dieser Satz zur Zeit ziemlich phrasenhaft und nur so beruhigend dahin gesagt… vielleicht aber auch nicht. Schade, dass wir nicht in die Zukunft hüpfen können. Danke für den Tipp mit dem Apfelkuchen, der ist eindeutig positiv 🙂 oder muss man heute negativ dazu sagen? Liebe Grüße und trotzdem einen schönen Tag für dich!
    Ingrid

    Gefällt mir

    1. Liebe Ingrid, jaaa der Apfelkuchen ist positiv. Wichtig ist, ihn mit allen Sinnen wahrhaft zu genießen. Alle Geschmacksnuancen auszukosten, die Augen zu schließen und genüsslich zu kauen … Nach Süßem verlangt es mich eher selten, aber wenn …
      Was die Hoffnung betrifft, gebe ich dir Recht. Und es klingt nicht nur beruhigend, wenn man das hört, es tröstet auch ein wenig. Ich sehe dabei immer die Finsternis, in der ein Glühwürmchen frech leuchtet. Dieses kleine Lichtlein heißt Hoffnung.
      Ich danke dir herzlich für deinen Kommentar und die guten Wünsche.
      Genieße diesen Tag, kaufe oder backe dir einen Apfelkuchen, und geh auf jeden Fall in die Sonne hinaus. Die Natur erwacht, kleine Bienen tummeln sich vor meinem Bürofenster in einer blühenden Wildpflaume, Hummeln gesellen sich dazu … Hey, so gesehen ist das Leben echt schön.
      Ganz lieber Gruß
      von Wilma

      Gefällt 1 Person

      1. Vielen Dank für deinen Kommentar.
        Ein jeder kleiner Funke ist – nicht nur derzeit – wunderbar. Und das Glühwürmchen, das dir um die Nase schwebte, war ein ganz mutig freches, würde ich sagen 😄
        Seit ein paar Tagen mehren sich nicht nur Bienen und Hummeln, auch die quietschgelben Zitronenfalter werden immer mehr. Das sind Kerle; die Mädels zieren sich wohl noch. Und andere, mir völlig fremde Schmetterlingsarten gesellen sich hinzu.
        Seltsam ist, dass ich am Wochenende einen Artikel darüber las, dass die Hummeln immer weniger werden. Die Insekten würden erschreckend seltener … Entweder lebe ich auf einem anderen Planeten oder es ist hier in der Nähe eines „Urwalds“ die Natur noch richtig schön in Ordnung.
        Ich wünsche dir einen wunderbaren Tag …

        Gefällt 1 Person

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