„Geschultes Personal“

Es ist geradezu faszinierend, was ich in den zurückliegenden beiden Monaten im Drive-In-Testzentrum beobachtet habe (Ort und/oder Adresse bleiben ungenannt). Für eine einzige Angelegenheit komme ich um diesen unangenehmen, blöden und m. E. sinnfreien Test leider nicht herum: die von mir heißbeliebten Proben mit dem Musik-Verein.

Vorsicht und Rücksichtslosigkeit

Mal davon abgesehen, dass ich aufgrund eines Traumas mit Gegenständen, die in meinen Körper sollen, ein höchst unangenehmes Problem habe und mich nur unter fachkundiger, sprich ärztlicher, Begleitung dieser Testprozedur des Nasepopelns nähern konnte, habe ich jedes Dame/jedes Mädchen – denn das sogenannte „geschulte Personal“ besteht vorwiegend aus weiblichen Menschen – prophylaktisch darauf hingewiesen, dass ich bei unvorsichtigem Vorgehen aus dem Auto springen werde.
Die erste Dame hatte, wie der Arzt zuvor, vollkommenes Verständnis und bestätigte mir, wie der Arzt auch, dass ziemlich viele Menschen selbst ohne bestehendes Trauma ein Problem mit dem Test haben. Sie beruhigte mich, sagte, was sie tun würde und bat mich, die Hand zu heben, wenn es unangenehm würde. In dem Fall hätte ich, wie beim Arzt, das Popeln selbst machen dürfen. Es war dann unangenehm, und ich spürte die Schabstellen in der Nase noch am nächsten Tag, aber es klappte immerhin, ohne dass ich die Flucht ergriff.
Die nächsten beiden Mädchen – schätzungsweise zwischen 16 und 20 Jahre alt, vielleicht. Schülerinnen, die sich in den Ferien etwas Taschengeld verdienen?, fragte ich mich – nahmen meine Bitte auch freundlich auf und gingen rücksichtsvoll zu Werke.
Danach verlief ein weiterer Test in einer Weise, die mich auf dem Weg zur Probe erstmals an der SCHULUNG des Personals zweifeln ließ. Mutig verzichtete ich auf den prophylaktischen Hinweis auf meine Angst aufgrund der bis dahin positiven Erfahrung und war recht entspannt. Die junge Dame trat an mein Auto heran, streckte die Hand mit dem Stäbchen aus, streichelte mein Naseninneres einmal kurz im rechten und dann im linken Nasenloch auf kaum spürbare Weise und verabschiedete mich: „Das war’s.“
Leicht irritiert fragte ich mich, warum sie nicht beispielsweise kurz über meine Stirn geschrubbt hatte. Das wäre sicher aufs selbe (negative Test-)Resultat rausgelaufen. Meinen Zweifel an der Schulung sowie die Klärung von Fragen, die sich mir dadurch stellten, verschob ich auf später.
Diese hatte ich allerdings bis zum nächsten Mal noch nicht geklärt. Ich verzichtete wieder auf meine Warnung und hielt meine Nase mutig dem Stäbchen entgegen. Diesmal traf ich auf ein anderes Mädel, schwarzhaarig, schlank, sportlich und – wie sich herausstellte – sehr enthusiastisch. Ehe ich mich versah und reagieren konnte, hatte sie mir das Stäbchen in meinen linken, ziemlich engen NasenGANG geschoben, sodass ich heftig zurückzuckte. Sie schaute irritiert, und ich warnte sie, dass ich flüchten könnte, danach war sie im rechten NasenLOCH vorsichtiger. Das Resultat: Ich fuhr aus dem Testzelt, parkte den Wagen in einer nahegelegenen Parktasche und hatte leichtes Nasenbluten. Ich ärgerte mich!
Und so ging das weiter. Meist sind die Mädchen relativ rücksichtsvoll, wobei „relativ“ immer RELATIV ist.
Zu guter Letzt … Nee! Nix „guter“, aber Letzt!
Vergangene Woche geriet ich zunächst mal in eine Autoschlange! Mir gingen vor Staunen die Augen über. Gab es bislang bestenfalls mal ein Auto, das vor mir im Zelt für einen Test angehalten hatte, erblickte ich nun mindestens 20 Fahrzeuge; um die Ecke konnte ich nicht schauen. Auf meine Frage, ob es etwas umsonst gäbe, meinte die resolut wirkende Dame – schätzungsweise Ende 50/Anfang 60, furchtbar geschminkt mit leerem Blick über dem Rand der Maske – „Nein, das ist hier immer so!“ Ich grinste innerlich, denn ich hatte diese Dame dort noch nicht einmal erblickt, wie ja das „geschulte Personal“ auch andauernd wechselte. Da zückte sie schon das Stäbchen und bohrte sehr tief und grob in den rechten Nasengang. Ich sprang fast auf den Beifahrersitz, was zu einem befremdlichen Blick meines Gegenübers führte. „Sie müssen schon ein bisschen vorsichtig sein“, bat ich höflich, aber erschrocken. Sie widersprach: „Ja, trotzdem muss ich da rein.“ (resolut) In der Hoffnung, sie wäre nun gewarnt und würde vorsichtiger in meinem linken NasenLOCH schaben, hielt ich still. Aber schon schob sie wieder mit der gleichen Grob- und Entschlossenheit das Stäbchen hinein. Mit einem „Autsch“ zuckte ich erneut zurück. „Sie müssen doch merken, dass es da nicht weitergeht. Der Nasengang ist verengt durch die Verwachsung der Nasenscheidewand“, erklärte ich (immer noch freundlich). „Nützt nix, ich muss da rein“, widersprach sie unwirsch. „Sie müssen überhaupt nix“, sagte ich nun recht entschieden. „Sie dürfen. Und wenn Sie nicht vorsichtig sind, werde ich Gas geben und diesen Ort verlassen.“
Die Vorsicht bestand letztlich darin, das sie im Innern meiner NasenSPITZE bohrte, mich feindselig über den Maskenrand anstarrte und mich grußlos wegfahren ließ.

Recherchen

Gruselig, dachte ich, als ich vom Testzelt wegfuhr, die Nase wieder leicht blutend und mit Wut im Bauch. Nein, grollte ich innerlich, ab sofort ohne mich.
Und dann fielen mir die Fragen wieder ein.
Am nächsten Morgen saß ich am PC und recherchierte …

  1. Wer sind eigentlich die Damen/Mädchen vom Drive-In-Testzentrum?
  2. Welche Eignung/Ausbildung muss man erfüllen/haben, um dort die Tests durchzuführen?

Zu 1.: Das kann eigentlich jede sein. Egal, ob Arzthelferin, Apothekenmitarbeiterin, Krankenpflegerin usw. aus med./pharm. Bereich oder: auch Schülerin (18 J.), Studentin, Rentnerin, Frisörin, Fitnesstrainer, Sekretärin, Hartz IV-Empfängerin, Bäckerin, Busfahrerin … (?) Tatsächlich habe ich Zweifel, ob der Anteil der Letztgenannten den der Erstgenannten eventuell deutlich übersteigt???

Zu 2.: Für Menschen aus Berufen, die einen Bezug zur Medizin/Pharmazie haben, kann ich mir den Einsatz in Covid-Testzentren gut vorstellen. Eigentlich erwartete ich auch, dass es solche Mitarbeiter sind, die dort diese so wichtigen Test durchführen.
Weit gefehlt!
Laut einem der vielen Personaldienstleister (Annonce im Internet) beispielsweise ist ein solcher Hintergrund zwar von Vorteil, aber nicht verpflichtend. Das Personal wird ja gründlich geschult. Das Ganze ist, je nach Anbieter der Jobs, auch ohne jegliche medizinische Vorbildung möglich, und zwar als Minijob wie auch in Teil- oder Vollzeit. Überrascht hat mich dabei die außerordentlich gute Bezahlung (zwischen 12 und 20 Euro). Aber das sei diesen Leuten gegönnt. Ich möchte mit ihnen nicht tauschen und den ganzen Tag anderen in Nasenlöchern popeln oder im Rachen kratzen.
Empathie und ein gutes Händchen für den Umgang mit Menschen ist eine weitere Voraussetzung … tja, darunter versteht das eingesetzte „geschulte Personal“, das ich und einige andere von mir Befragte kennenlernten, leider offenbar etwas völlig Falsches oder gar nichts, denn so etwas, wie es mir mehrfach passierte, darf einfach nicht sein.

Was die akkurate Durchführung dieser Tests betrifft, die ja letztlich Voraussetzung für ein korrektes Ergebnis ist, weshalb ja diese Testergebnisse zertifiziert sein müssen und der Vorgang nicht allein im stillen Kämmerlein durchgeführt werden soll … da hab ich noch eine kurze Episode, die einen nur den Kopf schütteln lässt.

Schulung

Ein Unternehmer (unbekannt, wir kamen eher zufällig ins Gespräch), dessen Monteure sich je nach Auftraggeber auch testen lassen mussten, beschloss, Zeit zu sparen, indem er sich in Sachen Covid-Test schulen ließ, um die Monteure nicht erst in ein Testzentrum zu schicken, bevor sie beim Auftraggeber aufschlagen durften, sofern dieser einen Negativnachweis verlangte.
Auf meine Frage, wie denn so eine Schulung vonstatten gehen würde, hörte ich dann in etwa Folgendes: „Im Wesentlichen wurde ausführlich das korrekte Überstreifen der Handschuhe und das Anziehen der Schutzkleidung sowie der richtige Sitz des Nasen-Mund-Schutzes erörtert. Das ist zwar auch wichtig, finde ich, aber der Anleitung für den eigentlichen Test wurde meiner Meinung nach zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Da habe ich mich am Beipackzettel orientiert …“ Wo er diese Schulung machte und wer dafür verantwortlich ist, sagte er mir nicht.
Jedenfalls darf er nun seine Handvoll Mitarbeiter testen bzw. sie beim Selbsttest beaufsichtigen und ein Zertifikat ausstellen. Das spart definitiv Zeit. Und, wie er mir versicherte, sorgt er für die vorschriftsmäßige Durchführung der Tests, weil er sich an die Anleitung des Herstellers hält, „schließlich trage ich Verantwortung“ – anders als es in jenem Drive-In, das ich bislang frequentiert habe, gehandhabt wird – und wie steht es da mit der Verantwortung, fragte ich mich.
YouTube-Videos erklären es auch ganz klar, habe ich festgestellt. Das kann im Grund wirklich jeder!

Der Fehler beginnt im Drive-In schon beim Start der Prozedur: Das erforderliche Schnäuzen der Nase, um überhaupt testfähiges Material in den vorderen Nasenbereich zu befördern, findet gar nicht statt. Es wird vom „geschulten Personal“ nicht erbeten/gefordert, und ich habe in der Warteschlange bei niemandem außer mir selbst dieses beobachtet. Damit ist m. E. die ganze Testprozedur infrage zu stellen, von einem tatsächlich korrekten Ergebnis des Tests ganz zu schweigen. (Das erklärt ja vielleicht, warum manche Mädels so enthusiastisch und rabiat zu Werke gehen, oder?)
Und warum beaufsichtigt eigentlich niemand die Arbeit dieses „geschulten Personals“???

Fazit

Ich habe mir kürzlich 5 Testkits der Firma Biontech gekauft. Diese sind zugelassen vom BfArM §1 Satz 1 TestV der Antigen-Tests zum direkten Erregernachweis des Coronavirus SARS-CoV-2. Es könnte ja immer sein, dass ich so einen Test im privaten Umfeld (diese Forderung finde ich furchtbar!) benötige, oder dass einer meiner Auftraggeber einfach ängstlich ist und möchte, dass ich diesen Test mache, dachte ich mir.
An die vorschriftsmäßige Durchführung halte ich mich absolut – selbst wenn mir der Sinn für den Test an sich immer noch fehlt und ich es lästig finde –, und so ist mein Ergebnis auf jeden Fall zuverlässiger (entsprechend den Angaben des Herstellers bis zu 99,5 %) als es im Testzentrum unter den beschriebenen und live erfahrenen Umständen sein kann.
Allerdings ohne Zertifikat.
Aber weil einem in Deutschland ohne Schein, Siegel und Stempel oder eben Zertifikat nichts geglaubt, also nicht vertraut wird, geht es wohl künftig nur mit einem Videotest.
Ins Testzentrum und in die Fänge vermeintlich „geschulten Personals“ kriegt mich keiner mehr!!!

Foto by myself

2 Kommentare zu „„Geschultes Personal“

    1. Ich danke Dir, liebe EliKlang,
      der Test als solcher ist wohl auch zulässig zum Selbstdurchführen und zur Nutzung im privaten Bereich. Aber man braucht für Restaurants, Hotels und bei einigen anderen Gelegenheiten (Veranstaltungen) einen Negativ-Nachweis, den man sich ausdrucken oder auf dem Smartphone anzeigen lassen kann (als QR-Code).
      Neben den vermutlich weiterhin bestehenden Testzentren bieten nun zahlreiche Institute im Internet den Test per Video-Chat an. Man macht den Test selbst unter Beobachtung und erhält kurze Zeit später das Zertifikat, wenn der Test NEGATIV ist. Bei positivem Befund geht eine Meldung ans Gesundheitsamt.
      Liebe Grüße
      Wilma

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