Deutsche Sprache, schöne Sprache

Manche Menschen brauchen eine „Bedienungsanleitung“

Tja jaaa, ich sehe die Fragezeichen. „Bedienungsanleitung“? Wie jetzt? Und nein, ich meine nicht so ein dickes schlaues Buch wie DUDEN oder Wahrig, denn die helfen erstens nicht in jedem und zweitens nicht in diesem Fall. Es geht darum, die schöne deutsche Sprache mittels Verstand, Verstehen und der Fähigkeit sinn- und geistvoller Vermittlung zu nutzen.

Verstand und Verstehen und die Fähigkeit zu vermitteln

Anfangs erlernen die Menschen ihre Muttersprache. Erst einzelne Worte, dann die sogenannten Zweiwortsätze, und im Laufe der Zeit kommen immer mehr Wörter hinzu, bis beinah jeder in der Lage ist, sich mittels der Sprache verständlich zu artikulieren.
Weiter lernen die Menschen, Begriffe, Sachzusammenhänge usw. bis hin zu ganz komplexen Themen zu verstehen und darüber zu reden/schreiben. Mit dem Sprachschatz wächst auch der Verstand, und Menschen können sich umfangreiches Wissen in Bereichen aneignen, für die sie sich sehr interessieren.
Zusammen mit bestimmten persönlichen Fähigkeiten können sie später in der Lage sein, beispielsweise Wissen zu vermitteln. Sie werden vielleicht Lehrer in einer Grundschule, im Gymnasium, Dozent an einer Universität oder Ausbilder in einem Betrieb.
Voraussetzung bleibt: Denkvermögen, ein umfangreicher Sprachschatz, die Fähigkeit zu verstehen und zu vermitteln, indem sie sich treffend und verständlich ausdrücken.

Begriffsdefinitionen

Seit vielen Jahren leide ich darunter, dass unsere Sprache „vergewaltigt“ wird. Ich will das jetzt nicht im Einzelnen auflisten, ich denke, ihr wisst, was ich meine. Schlimmer noch: Zunehmend wird a) viel zu viel geplappert und b) in dem ganzen Geplapper nur selten z. B. eine Frage klar beantwortet, stattdessen wird meistens nichts (aus-)gesagt, das sinn- und gehaltvoll wäre oder eine Aussage vermittelt. – Insbesondere im TV bleibe ich nach mancher Nachrichtensendung, einem Interview mit einem großen Fragezeichen auf dem Sofa sitzen. Es (das Fragezeichen) schaut mich an und ist noch irritierter als ich.

Wer hätte es gedacht? Jetzt kommt – leider doch – wieder das elende C-Thema auf den Tisch. Gerade in dieser (m. E. immer noch hausgemachten, bewusst herbeigeführten) C-Krise treiben es besonders die von wem auch immer ernannten Gesundheitsexperten auf die Spitze. Und die Krönung lieferte aktuell sogar unsere Kanzlerin mit ihrer Definition (etwa ab 32:20 eines gut einstündigen Videos der Fragestunde im Bundestag). Sie antwortete auf die Frage eines Abgeordneten der AfD-Fraktion. Eine Frage, die berechtigt war und ist und von jedem anderen Abgeordneten gleich welcher Fraktion ebenfalls hätte gestellt werden können. Ich will damit sagen, hört auf die Antwort, die Frau Merkel lieferte und lasst außer Acht, wer da gefragt hat. (Schlimm, dass ich mich veranlasst fühle, darauf hinzuweisen; aber mit einer anderen als der Meinung von Bundeskabinett und Hauptmedien landet man zu schnell in der „rechten“ Ecke; wieso eigentlich „Ecke“? Der Platz wird einem zugewiesen, man wählt ihn nicht – wie vieles andere auch nicht. Das ist das Ding mit der „Freiheit“, über sein eigenes Wohl und Wehe entscheiden zu dürfen. Sorry, aber dieser Hinweis muss sein.)

Zurück zur seltsamen Definition von Begriffen mittels unserer schönen deutschen Sprache: „PCR-Werten“, „ct-Werten“ und „Infizierte“, Letztere definierte die Kanzlerin als „erkrankt“.
PCR = Polymerase Kettenreaktion oder engl. polymerase chain reaction, ist ein labortechnisches Verfahren zur Vervielfältigung von Erbsubstanz; Zitat wikipedia:
„Die PCR wird in biologischen und medizinischen Laboratorien zum Beispiel für die Erkennung von Erbkrankheiten und Virusinfektionen, für das Erstellen und Überprüfen genetischer Fingerabdrücke, für das Klonieren von Genen und für Abstammungsgutachten verwendet. Entwickelt wurde die Methode durch den Biochemiker Kary Mullis im Jahr 1983. 1993 wurde ihm dafür der Nobelpreis für Chemie verliehen. Die PCR zählt heute zu den wichtigsten Methoden der modernen Molekularbiologie, und viele wissenschaftliche Fortschritte auf diesem Gebiet (z. B. im Rahmen des Humangenomprojekts) wären ohne diese Methode nicht möglich gewesen.“
Der hier genannte Nobelpreisträger wies ausdrücklich darauf hin, dass dieses Verfahren ein labortechnisches, für Forschungszwecke geeignetes, aber für diagnostische Zwecke keineswegs geeignetes sei.
Nun, in ihrer weitschweifigen Antwort auf die Frage des Abgeordneten in der Fragestunde redete sich die Kanzlerin um Kopf und Kragen und landete dabei im Bereich von Medizin und Forschung. „PCR-Werte“ gibt es so schlicht nicht. Ehrlich: Von einer Person in einer Position wie sie unsere Frau Merkel bekleidet, hätte ich deutlich sehr viel mehr erwartet. Wer in dieser Position über so etwas Wichtiges wie „PCR“ spricht, sollte informiert sein; auch erwarte ich von einer ehemaligen Physikerin, dass sie sich selbst fachlich besser informieren kann. Aber u. a. Internet sei Dank! Und Dank den Wikipedia-Autoren, die ihr Wissen in einer Form weiterreichen, die ich (wie viele, viele andere auch) verstehen. Man bedenke, wir haben alle die Möglichkeit, uns zu informieren, tun offenbar aber vergleichsweise wenige Menschen.
An dieser Stelle möchte ich den ganzen Artikel von Wikipedia verlinken, weil die Informationen einfach gut und wertvoll sind, und ein weiteres Zitat daraus einfügen:
„Diese kurzen Fragmente häufen sich vor allem in den späten Zyklen an und können durch Fehlpaarung der Primer auch zu falschen PCR Produkten werden. Daher werden bei PCR Reaktionen meist nur etwa 30 Zyklen durchlaufen, damit vorwiegend DNA der gewünschten Länge und Sequenz produziert wird.“
Auch das weiß „man“ … über die Anzahl dieser Zyklen wird ja auch diskutiert …

Über die „ct-Werte“ musste ich selbst erst mal recherchieren. Mal davon abgesehen, dass sich Frau Merkel in ihrem Definitionsversuch schlicht vertan hat, ist es wie folgt mal verständlich erklärt, aber …
Zitat DocCheck Flexikon: „Der Ct-Wert stößt aktuell (2020) im Rahmen der COVID-19-Pandemie auf gesteigertes Interesse, da man versucht, damit das Ergebnis von positiven SARS-CoV-2-Untersuchungen weiter zu interpretieren. Ein niedriger Threshold Cycle spricht für eine hohe Viruslast, ein hoher Wert dagegen für eine geringe RNA-Konzentration. Dies könnte, abhängig von Anamnese und Symptomen, entweder für eine frühe Infektion oder für eine späte Krankheitsphase mit geringer Infektiositätsprechen. Da die Ergebnisse stark von der Qualität des Rachenabstriches abhängen und zudem bei verschiedenen Geräten und Assays unterschiedlich sein können,
ist dies aber nur ein Schätzwert.
Und weiter: „Viele Labore sind inzwischen dazu übergegangen, den Ct-Wert auf dem Befund der Realtime-PCR anzugeben. Laut Informationen u. a. des Robert-Koch-Institutes geht bei einem Threshold Cycle >30 die Anzüchtbarkeit des Virus zunehmend verloren.
Einfache Worte und Sätze, die jeder Mensch verstehen kann, behaupte ich. Oder?

Infiziert oder krank? Dieses „oder“ ist unter den Tisch gefallen oder hat sich in Luft aufgelöst. Wer heute infiziert ist, ist krank. Basta! Selbst in einer e-Mail von einer guten Freundin bekam ich diese, ihre Definition bedeutungsvoll in Klammern gesetzt mitgeteilt „infiziert = krank“. Ich glaub, mich knutscht ein Elch! Wo bleibt der Aufschrei der Mediziner? Nur weil ich mal Windpocken hatte und deshalb das Herpes Zoster Virus in mir trage, erkranke ich nicht. Erst wenn Symptome des Herpes auftreten und ich meine, jemanden knutschen zu müssen mit der dicken Blase an der Lippe, übertrage ich das Virus möglicherweise bis bestimmt.
Also selbst die asymptomatische (lustig, die Auto-Korrektur kennt das kleine „a“ vor symptomatisch gar nicht *lach*) Ansteckung ist höchst zweifelhaft und ihre Wahrscheinlichkeit gemäß einer großen Studie auch so gering, dass der Aspekt „vernachlässigbar“ ist.
Infektion ist nicht gleich Erkrankung. Basta, Frau Merkel und wer sonst noch sich zu einer anders lautenden und völlig falschen Definition hinreißen lässt und sie öffentlich für alle hörbar hinausposaunt.

Wirrwarr in der deutschen Sprache

Oh ja, so ist es. Den unerfreulichen Gedanken, dass eine Absicht dahinter steckt mal außer Acht lassend: Es ist einfach nicht einfach, dabei einen klaren Kopf zu behalten. Es ist mächtig anstrengend geworden, konzentriert zu denken und das Gedachte dann in möglichst wenigen klaren, verständlichen Worten und Sätzen über die Lippen zu bringen. Dabei sollten dann alle unsinnigen Aspekte und falschen Fakten in einen imaginären Mülleimer entsorgt werden; natürlich erst nach Durchdenken, was brauchbar und was nicht brauchbar ist. *soifz*
Wenn ich unter Druck stehe, muss ich mich noch mehr konzentrieren. Wird der Druck zu groß, muss ich mich an einem bestimmten Punkt zurückziehen, muss erst wieder (geistige) Reinigung betreiben in meinem Hirn, durchatmen und zur Ruhe kommen, Abstand gewinnen, um dann wieder sinnvoll reflektieren zu können … und erst DANN bin ich wieder in der Lage, deutlich, unmissverständlich und sinnvoll zu reden und zu schreiben. Denn mir liegt sie sehr am Herzen, unsere gute, schöne deutsche Sprache, mit der wir fabulieren, dichten, erörtern, dozieren können. Wir geben mit ihr Menschen, Dingen, Zusammenhängen … einen Namen, erklären Grund und Sinn und Funktion … In meinem Leben lasse ich nicht zu, dass die Sprache verzerrt, vergewaltigt und verquert wird. –
Wichtigkeit der Sprache!
Wichtigkeit der WAHRHEIT!
Beides geht für mich Hand in Hand.

Foto von Willi Heidelbach (Herne) www.pixabay.com


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