Frohes Neues(?)

„Madame!“, hörte ich, aber ich fühlte mich nicht angesprochen.
„Madame!“, hörte ich wieder, dachte jedoch immer noch, ich sei nicht gemeint.
Ein Irrtum!
Ich hatte eine Filiale von ROSSMANN betreten, und ein kleiner, selbstverständlich vermummter Mann huschte hinter mir her, bis er mich entdeckte.
„Madame, Sie müssen einen Einkaufswagen nehmen!“, sagte er.
Ich war irritiert, denn außer, dass nur 35 Kunden in der kleinen Filiale sein dürften, war auf dem Plakat vor dem Eingang m. E. nichts weiter mitgeteilt. Und 35 Kunden waren noch nie gleichzeitig in diesem kleinen Laden.
„Für nur ein Spülmittel?“, fragte ich entgeistert zurück, ohne weiter nachzudenken.
„Bitte, Einkaufswagen. Wir müssen zählen … verstehen, wir müssen uns verstehen“, erklärte er, wie ich fand, hilflos.
Wütend stapfte ich zurück zum Eingang und zog einen Einkaufswagen heraus. Ebenso wütend ging ich an ihm vorbei, kaufte das Spülmittel gleich zweimal, weil ich spontan beschlossen hatte, diese Filiale so bald nicht wieder zu betreten.
Während ich zur Kasse ging, beobachtete ich mindestens 5 Kundinnen, die einen Einkaufskorb trugen. Wie viele Einkaufskörbe/Einkaufswagen standen im Eingangsbereich? Wo war der kleine Mann, der sie zählen wollte? Wie viele Kunden waren hereingekommen, während er hinter mir her huschte und jetzt, da ich wartend an der Kasse stand, gar nicht da war?

Ich zahlte, schob den Einkaufswagen zurück, und als ich den Laden verließ, stand der Mann etwas verborgen im Eingangsbereich und telefonierte. Offenbar der Filialleiter. Einer von vielen ständig wechselnden bei ROSSMANN …

Draußen überkam mich zum Ärger ein Kicheranfall. Wie bekloppt ist denn das, fragte ich mich. „Wir müssen uns verstehen“ und „wir müssen zählen“, und dann ist er gar nicht da, um zu zählen. Einem Kunden, der sich für einen Einkaufskorb entscheidet, diktiert er offensichtlich keinen Wagen. Wie ist denn so „zählen“ überhaupt möglich, wenn er im Laden rumrennt und den Eingang nicht kontrolliert?
Von wegen „uns verstehen“!!!

Im Auto fing ich an zu weinen. Ich war so traurig und bin so entsetzt darüber, wie unlogisch, unverhältnismäßig und DUMM die Menschen zurzeit agieren. Hatte ich noch gehofft, es würde allmählich besser, mache ich nun die Erfahrung: Es wird immer schlimmer. Dieser Lockdown-Scheiß (sorry) fördert des Menschen hässlichste Eigenschaften zutage.

Hinter mir liegt eine unruhige Nacht. Mir gingen im Halbschlaf viele Gedanken durch den Kopf. Es endete mit der Feststellung, dass der Mensch endgültig etwas verspielt, was ihn einst über alle Lebewesen der Erde erhob: Intelligenz und die Fähigkeit zu lernen, das Erlernte, sprich die Erfahrung, zu nutzen und Dinge in der Zukunft BESSER zu machen.
Doch er wird, so scheint’s mir, dumm und dümmer.

Traurig, so traurig.

Eigentlich hatte ich einen anderen Beitrag schon fast fertig geschrieben, in dem es auch um die Frage ging, ob nun alles besser wird, oder neu. Doch der hat sich überholt, fürchte ich. Nichts wird besser, und die Erkenntnis dieser Nacht gesellt sich zu der messerscharfen Erkenntnis, die mir eine Autorenfreundin gestern schrieb: Es wird nie wieder, wie es war. Und es wird nie wieder besser, als es ist.

Frohes Neues?
Abwarten …

Foto von Gert Altmann bei pixabay.com

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