Sprachwandel

Seit Jahren beobachte ich teilweise fasziniert, teilweise entsetzt, wie unsere Sprache gewandelt wird.

Fasziniert finde ich es, wie insbesondere junge Menschen sich verständigen: mit einer seltsamen Art von Sprachhieroglyphen. „Geh ma Heumarkt“ oder „Komma S-Bahn“ sind zum Beispiel solche Äußerungen, die ich in meinem Umfeld von einem Mädchen hörte, vielleicht 15 Jahre jung, gesprochen in ein Smartphone. Tatsächlich brauchte ich ein paar Sekunden, um das zu „übersetzen“. Wenn ich ganz doll nachdenke, fallen mir sicher noch ein paar dieser komischen Sätze ein, aber ich will mich nicht erinnern, will nicht zulassen, dass unsere schöne, verständliche Sprache so verunglimpft wird.
Auch die Vermischung von Sprache ist interessant. Da unterhielten sich zwei türkische Frauen in ihrer Muttersprache, und mitten in manchen Sätzen fielen deutsche Wörter. Ich dachte erst, vielleicht gibt es keine Übersetzung dafür. Doch als ich ein anderes Mal zwei anderen Frauen lauschte, die – obwohl eindeutig türkischer Nationalität – sich in ausgezeichnetem Hochdeutsch unterhielten und hier und da ein paar türkische Satzteile einbauten. Nun, vielleicht gibt es dann für manche deutschen Wörter eben keine türkisch passende und verständliche Übersetzung. Es hört sich ebenso interessant wie lustig an
Soweit zu Faszination über Sprachwandel.

Ich bin tatsächlich froh, dass ich doch noch sehr viele Menschen kenne, die sich klar und deutlich, damit vor allem verständlich auszudrücken wissen. Und ich hoffe, das bleibt noch lange so.

Was nun das Entsetzen angeht, so höre ich zurzeit Seltsames z. B. in einer Nachrichtensendung. In einer Art Wahn, Gleichberechtigung offenbar auch in der Sprache walten zu lassen – wobei ich glaube, die meisten Menschen wären schon froh, wenn sich Gleichberechtigung als Gleichbehandlung insbesondere im Berufsleben durchsetzen würde, z. B. durch gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit – höre ich so etwas wie „Unternehmer*schluck*innen“ oder „Teilnehmer*schluck*innen“ und „Minister*schluck*innen“.
Statt *schluck* hatte ich beim dritten oder vierten Mal Hören schon ein *hicks* eingesetzt.
Haben Moderatoren und Nachrichtensprecher was getrunken, geschnupft geraucht?
Ich fasse es nicht.
Was soll denn das? Stört sich tatsächlich irgendwer daran, dass man Wörter wie Unternehmer, Minister oder Teilnehmer u. a. m. einfach als Oberbegriff benutzt? Damit wird doch niemand herabgesetzt oder ausgegrenzt.

Ich kann nur den Kopf schütteln, und ich weiß, es schütteln viele mit mir. Kennt denn abstruses Denken keine Grenzen? Für mein Empfinden sind das unnötige Verrücktheiten, mit denen sich vielleicht jene, die sich über so etwas den mit Steuergeldern hochbezahlten Kopf zerbrechen, irgendwie meinen profilieren zu müssen.
Haben wir nichts wirklich Wichtigeres zu tun???

Ok, vermutlich kann ich es nicht ändern.
ABER: Ich muss es nicht mitmachen und werde es nicht mitmachen.
Fehlte noch, dass ich künftig auch in Geschichten und Romanen die *schlucks* und *hicks* einfügen muss, um allem und jedem gerecht zu werden.

Anders: Sollte es jemals so kommen, halte ich es mit dem guten alten Spruch „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Ich werde dann nicht mehr sprechen und schreiben.

Schmunzelt da wer?
Ja ja, ich weiß schon. Wie kann Wilma dann einkaufen gehen und sich verständlich machen? Ganz einfach: Mit der guten alten Zeichensprache!
In diesem Sinne: Vielleicht befinden wir uns bereits auf dem Weg „back to the roots“. Die Neandertaler verstanden einander doch auch, nicht wahr?

I<a href="http://Image by <a href="https://pixabay.com/users/graphicmama-team-2641041/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=1460898">GraphicMama-team</a&gt; from <a href="https://pixabay.com/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=1460898">Pixabaymage by GraphicMama-team from Pixabay

2 Kommentare zu „Sprachwandel

  1. Für mich ist die männliche Form ehrlich gesagt kein „Oberbegriff“. Sprache sagt viel aus. Wenn wir Dinge traditionell immer auf eine bestimmte Art gemacht haben, heißt das für mich noch lange nicht, dass sie alleine deswegen gut sind. Unsere Sprache folgt in vielem einer männlich patriarchalisch ausgerichteten Denkweise, die ich persönlich nicht „gut“ finde. Ich bin daher *-Anhängerin und bewahre mir mein „Entsetzen“ für andere Fragen und Themen auf … ;-)! LG

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    1. Das kann ich verstehen 🙂 Aber ich sehe es folgendermaßen: Solange die Gleich*wert*igkeit von Mann und Frau trotz ihrer (naturgemäßen) Unterschiede nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen ist, ist Gleichbedeutend*recht*igung nichts weiter als gesetzlich vorgeschrieben, wird beileibe nicht immer umgesetzt und führt obendrein zur Beschädigung unserer schönen deutschen Sprache. Letzteres führt nicht zu Gleichbe*recht*igung und ganz gewiss nicht zu einem Bewusstsein für Gleich*wert*igkeit. Bedauerlicherweise auch nicht mal zu einem Gefühl von Gleichwertigkeit. Schade, dass der Mensch nicht größer denkt, sich stattdessen im Haben-Modus lieber ein Recht verschafft, das sich einfordern und notfalls auch einklagen lässt. Aber ändert sich dadurch das Gefühl des Mangels von Gleichwertigkeit?
      Ich wünsche Dir einen wundervollen Tag, liebe Grüße Wilma

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